Cuc Phuong Tagebuch

Affen in Vietnam, Berichte aus dem EPRC

Ein Tag in Van Long

Mit Jochen & ein paar Leuten verbringe ich ein Tag in Lebensraum der Delancour Languren. Diese seltenen Affen finden auf den Felsen des Van Long Naturschutz Gebiets ihre letzte sichere Zuflucht. Auf den hundertfünfzig Tieren, die hier leben, ruhen alle Hoffnungen. Und wenn man sich die Entwicklung des Gebietes in den letzten Jahren ansieht, kann man durchaus optimistisch sein. Die Affen haben sich gut vermehrt. Schon seit längerem kann man sie vom Boot beobachten. Doch nun sind sie auch an mehreren Stellen entlang der Grenze des Schutzgebiets zu sehen. Die fehlende Scheu ist ein gutes Zeichen, zeugt es doch von fehlendem Jagddruck. Die Affen sind in Sicherheit und verhalten sich entsprechend. Die langjährige mühevolle Kleinarbeit von Hien & Tilo Nadler mit den Kommunen in der Umgebung zeigt Wirkung!

20180316Schorr8293

Die Katze

Für eine Weile lebte eine verwilderte Hauskatze in einem unserer Semiwild Gehege: dem Berg 2. Sie war von Außen über den Zaun gesprungen & kam nun nicht mehr raus.

Erste Anzeichen waren verschiedene Kleinsäuger, die tot zu finden waren. Es dauerte nicht lang, dann zeigte sich auch der Übeltäter. Anfangs machte das Kätzchen einen bulligen Eindruck. Es war noch gut genährt und verschmähte viele seiner Beutetiere. Doch mit der Zeit änderten sich die Verhältnisse. Die Katze fand anscheinend nicht genug Nahrung. Das ist schon verwunderlich, wenn man die Größe des Geheges betrachtet. Vermutlich nutzte sie nur die offenen flachen Areale zur Jagd. Wie der Name des Geheges schon sagt, handelt es sich um einen Berg und dieser ist bewaldet. Gut für die Affen, die hier leben – schlecht für die Katze.

Zwischenzeitlich begann ich mir schon Sorgen zu machen. Doc mit der Zeit schien sie dann wieder mehr Futter zu finden. Trotzdem wollten wir die Katze aus dem Gehege bringen. Mit verschiedenen Lebendfallen gaben wir unser Bestes.

20180314Schorr8070

Heute waren wir endlich erfolgreich. Die Katze sah gut und gesund aus, so entließen wir sie in der Nähe des EPRC. Nun ist sie wieder dort, wo sie vor ihrem Aufenthalt auf dem Berg 2 lebte.

Der Neue

Vor fünf Jahren hatte ich die Gelegenheit bei einer Rettungsfahrt für einen Kleideraffen teilzunehmen. Damals war Vinh sehr besorgt. Alles begann nicht so gut. Der Blätterfresser hatte einige Banana zu sich genommen und wollte nicht so richtig an seine natürliche Nahrung. Eine riskante Situation: Fruchtzucker ist schädlich für die Bakterien im Verdauungsapparat von Languren. Sterben die Bakterien stirbt auch der Affe. Doch Alles wendete sich zum Guten. Der kleine „Seba“, wie er dann getauft wurde, lebt noch immer.

IMG_0489

Heute war es wieder soweit ein geretteter Kleideraffe erreichte das EPRC. Drücken wir ihm die Daumen!!!

Mitbewohner

IMG_0609

In meinem Bungalow lebe ich nicht alleine. Es gibt zahlreiche Mitbewohner. Vor allem Spinnen fallen ins Auge.

Die Auffangstation für Bären

Heute konnte ich mir endlich das Bärenzentrum von Vier Pfoten ansehen. Es liegt ein paar Kilometer außerhalb von Cuc Phuong & ist deshalb am besten mit dem Auto zu erreichen. Wie der Name schon andeutet sollen hier Bären gerettet werden. In Vietnam gibt es leider noch viele Galle-Bären. Sie leben unter erbärmlichen Verhältnissen in zu kleinen Käfigen & bekommen regelmäßig Gallenflüssigkeit abgezapft. Diese wird in der  traditionellen Medizin verwendet.

IMG_7905

Die Anlage erscheint durchdacht. Die Struktur erinnert an das Bärenzentrum in Tam Dao, das ich 2012 besuchte. Ich halte es für keine schlechte Idee, das hier Bewährtes übernommen wurde.

Langes Wochenende im Zentrum

IMG_7853

Viereinhalb Tage habe ich Frei. Ich nutze die Zeit für einen Ausflug ins Zentrum Vietnams.
Mittwoch Abend, nach Dienst fahre ich mit dem Taxi nach Ninh Binh. Von dort geht es mit dem Nachtbus nach Hue. Die alte Kaiserstadt erreiche ich am Morgen. Nach einer Pho steht die Besichtigung der Festungsanlagen an. Um Mittag herum bringt mich ein Motorrad-Taxi zu drei, der vielen Mausolen.
Nachmittags geht’s mit Bus, Motorrad-Taxi & Auto zum Bach Ma National Park. Nach dem Trubel der Stadt genieße ich die Ruhe.
Der Freitag vergeht mit umherwandern im Bergregenwald. Erst gegen Abend verlasse ich den Park. Zusammen mit zwei Engländerinnen geht es mit einem Auto nach Da Nang.
Samstag Morgen sitze ich zeitig auf dem Motorrad & durchstreife Son Tra. Zwei Gruppen von Roten Kleideraffen kann ich aufspüren. Ein wunderschönes Erlebnis!
Nach dem Frühstück fahre ich mit dem lokalen Bus nach Hoi An. Ganz nettes Städtchen. Aber doch sehr von westlichem Tourismus geprägt. Trotzdem ist die Atmosphäre angenehm. Am Nachmittag besuche ich noch My Son. Die alten Cham-Tempel strahlen Gelassenheit aus. Zurück geht’s wieder mit dem Motorrad-Taxi bis Hoi An, dann mit dem Bus nach Da Nang. Dort wollte ich eigentlich so schnell wie möglich ins Hotel. Doch die Lichtershow der Stadt zieht mich magisch an. So wandere ich noch anderthalb Stunden umher.
Nach dem vollen Programm der letzten Tage, gehe ich den Sonntag ruhig an. Nur ein wenig schnorcheln (nicht wirklich schön) & ein Stadtspaziergang kann ich als Aktivitäten vermelden.
Montag Morgen fliege ich zurück nach Hanoi. Von dort kann ich mich Frank anschließen, der auch nach Cuc Phuong unterwegs ist.

Cat Ba Languren

Im EPRC leben einige hochbedrohte Primatenarten. Doch die mit Abstand gefährdetsten Tiere im Center sind Cat Ba Languren. Von diesen Affen gibt es noch etwa 60 und so besteht nur wenig Hoffnung das diese schöne Art überlebt.
Wie der Name schon andeutet, leben sie ausschließlich auf der Insel Cat Ba im Golf von Tonkin. Damit ist ihr Lebensraum schon immer begrenzt gewesen. Heute wohnen immer mehr Menschen auf der Insel. Doch der verbleibende Wald im National Park könnte eine deutlich höhere Population beherbergen. Auch Jagd gefährdete die Affen für lange Zeit. Glücklicher Weise konnte sie inzwischen erfolgreich unterbunden werden.
Da stellt sich die Frage: warum erholt sich die Population der Cat Ba Languren nicht. Dazu gibt es verschiedene Theorien. Eine°^°° bezieht sich auf den Überschuss an Männchen. Zum natürlichen Verhalten von Languren gehört die Kindstötung. Die Affen leben in Gruppen, bestehend aus einem stabilen Kern von mehreren Weibchen mit ihrem Nachwuchs. Dazu gesellt sich ein Männchen. Dieses muß das Vorrecht in der Gruppe leben zu dürfen gegen Geschlechtsgenossen verteidigen.
Normalerweise kann ein Männchen seine Position für ein paar Jahre verteidigen. Kommt es zu einem Wechsel, will das neue Männchen sich natürlich möglichst schnell fortpflanzen. Baby’s stören dabei. Wie bei vielen anderen Tierarten, kommt es dann zur Kindstötung. So werden die Weibchen schneller wieder empfängnisbereit & das neue Männchen kann sich zügig fortpflanzen.
Für uns Menschen erscheint dieses Verhalten natürlich verwerflich, doch die Natur schert sich nicht um unsere moralischen Grundsätze. Im Falle der Cat Ba Languren scheint es allerdings so als würde die ganze Art dadurch gefährdet. In der extrem kleinen Population gibt es einen Überschuss von Männchen. Dadurch steigt der Konkurrenzdruck. Es kommt häufiger zu einem Wechsel. Die Männchen bleiben seltener lange genug in der Gruppe um ihren Nachwuchs vor anderen Männchen zu schützen. Es wird vermutet, das dies ein wichtiger Faktor für die ungenügende Entwicklung der Cat Ba Languren Population ist.

IMG_7430_1

In der kritischen Situationen für die Affen zählt jedes Individuum. So ist es schön, das vor einigen Tagen ein kleiner Cat Ba Langur im EPRC das Licht der Welt erblickte. Auch vor dem Hintergrund, das seine Eltern Geschwister sind. Es gibt keine Wahl, man muss Alles versuchen um die Art zu erhalten.

Saufen für den Artenschutz

IMG_8579

Ohne einen guten Draht zur Bevölkerung vor Ort, ist es kaum möglich das Überleben von bedrohten Tierarten zu gewährleisten. Gerade der Erfolg im Van Long Naturschutz Gebiet zeigt, wie wichtig es ist die Menschen einzubeziehen.
In Vietnam pflegt man Kontake, in dem man gemeinsam isst & trinkt. Gerade Zweites ist wichtig. Wer sich bei Reisschnaps-Konsum bewährt, wird eher als Freund akzeptiert. Man ist schneller bereit auf seine Anliegen einzugehen.
Deshalb kommt man in Vietnam an Hochprozentigem nicht vorbei, wenn man im Artenschutz etwas bewirken will.

Heute ist der Anlass eine Baumpflanzung in einem kleinen Dorf, das zum Van Long Naturschutzgebiet gehört. Ich nehme das Ganze sportlich – bin ja selten bei solchen offiziellen Veranstaltungen.

Die Wurst

_DSC6148-01_wp_1

Vinh hat eingeladen. Die Reisstrohmatte ist reich gedeckt. Wie üblich in Vietnam, werden die Speisen vorgestellt & ihre Herkunft erläutert. Die Wurst bedenkt Vinh mit den Worten: „I keeped it and I cut it“. Man kann also getrost davon ausgehen, das das Schwein ein gutes Leben hatte.
Aber diese wenigen Worte zeigen auch wie eng das Verhältnis hier im dörflichen Vietnam noch zu Lebensmitteln ist. Wurst & Fleisch kommen, wie fast alle anderen Dinge des täglichen Bedarfs, nicht aus dem Supermarkt, sondern werden selbst produziert oder man hat einen Nachbarn, der aushilft. So bleibt der Bezug zu dem was man zu sich nimmt erhalten.
Und jeder weiß unter welchen Umständen das Essen entstand.

Wau Wau

Seit einiger Zeit nervt mich Vinh mit den Worten: „Maybe next year“. Wir haben gerade Februar & Du willst damit bis nächstes Jahr warten? – bin ich versucht zu antworten. Doch dann fällt mir wieder ein: Tet steht bevor. Vietnam folgt dem Mondkalender, da ist der Jahreswechsel im Februar. Das Jahr des Hahns endet am 15. & am Freitag startet dann das Jahr des Hundes. Tet ist das wichtigste vietnamesische Fest. Zu vergleichen ist es mit Ostern & Weihnachten – auf einmal.

Schon seit einigen Wochen kann man die Vorbereitungen beobachten. Überall wurden die Ortschaften geschmückt. Plakate wünschen „Chúc Mừng Năm Mới“, Fahnen wehen an den Straßenrändern & Lichterketten erleuchten die Nacht. Auch das EPRC wurde mit einem blühenden Kirschzweig geschmückt, alle Wege wurden gekehrt & die Häuser gereinigt. Das muss noch vor Tet geschehen, den man will ja das Glück, das das Neue Jahr hoffentlich bringt, nicht gleich wieder aus dem Haus raus kehren.

Nun kann nichts mehr schief gehen & so haben Alle fröhlich rein gefeiert. Damit ist Tet aber noch nicht vorbei. Bis zum Sonntag geht die offizielle Tet-Zeit. Doch die Feierlichkeiten werden sich über zwei Wochen hin ziehen.

In diesem Sinne:

Frohes Neues Hunde-Jahr!

_TetDSC5912

Natürlich dürfen Blumen nicht fehlen. Die Investition lohnt sich. Vietnamesische Blumen halten sich viel länger als deutsche. Sie müssen nicht gegossen werden – nur ab & zu mal mit dem Staubwedel drüber gehen reicht.

%d Bloggern gefällt das: